Es begann in einer Backstube
1957 wurde von einigen jungen Leuten in einer Backstube die heutige „Karnevalsgesellschaft Blau-Weiß Fischenich“ gegründet.
Mit rund 300 Mitgliedern ist diese KG heute eine der größten Karnevalsvereine im Erftkreis. 127 Aktive betätigen sich im Blasorchester (30), in der Musikschule (22), im Tanzcorps (13), im Kindertanzcorps (9), im Jugendtanzcorps (11) und im Senat (23). Vorsitzender ist seit 2002 Wilfried Meyer.
Älteste Gruppe ist das ebenfalls 1957 entstandene Tanzcorps. Anfangs war dies eine reine Männertruppe mit zwei Tanzpaaren in traditionellen Husarenuniformen, die in den ersten Jahren vom Ballettmeister Peter Schnitzler aus Aachen trainiert wurde. Die ersten Auftritte waren im November 1957 in Kendenich und in Rodenkirchen und dann, eine Woche später, bei der allerersten Karnevalssitzung der KG im Saal Hülsenbusch zum Elften im Elften 1957. Getanzt wurde auf die Märsche „Hoch Heidecksburg“ und „Folies bergere“. Der Erfolg im völlig überfüllten Saal Hülsenbusch war grandios, wie sich Augenzeugen gerne erinnern.
In den folgenden Jahren errang das Tanzcorps mit blitzsauberen Leistungen bei vielen Wettbewerben erste Plätze. So gewann es 1970 und 1971 den Preis des Bürgermeisters für das beste Corps in Hürth. Viele schöne Auftritte folgten.
Etwa 1973 begannen im Verein einschneidende Veränderungen. Immer häufiger mußten Tänzer die blaue Uniform der KG mit dem feldgrauen Rock der Bundeswehr tauschen. Dem Tanzcorps ging der männliche Nachwuchs aus. Deshalb wurde es vor 25 Jahren in eine gemischte Truppe umgewandelt, die heute überwiegend aus jungen Damen besteht.
Diese flotte und adrette Truppe ist mit ihren schwungvollen und präzisen Tänzen und den schmucken Uniformen im ländlichen Folklorestil eine wahre Augenweide. Es gehört zu den besten in der Region und hat Auftritte im gesamten Köln-Bonner Raum, aber auch in Holland und Belgien. Der Nachwuchsförderung dienen seit 1985 ein Kinder- und ein Jugendtanzcorps mit insgesamt 31 Jungen und Mädchen, die mit viel Spaß und Freude an der Bewegung bei der Sache sind.
Ein weiteres Aushängeschild der KG Blau-Weiß Fischenich ist das Blasorchester. Es wurde 1958 als Fanfarencorps gegründet. Diese Gruppe hatte unter Josef Behrend und dem Kommandanten Josef Klug bald ein gutes musikalisches Niveau und siegte bei vielen Wettstreiten. Zahlreiche Auftritte wurden gemeinsam mit dem Tanzcorps oder alleine im gesamten Rheinland durchgeführt.
Doch die Konkurrenz schlief nicht. Die benachbarten Fanfarencorps stiegen um auf Ventilfanfaren oder Trompeten. Damit waren sie nicht mehr auf Naturtöne beschränkt und konnten Lieder und Schlager spielen. Das kam bei den Zuhörern und Preisrichtern mehr an als sauber gespielte Fanfarenmärsche.
In dieser Situation beschloß der damalige Vorstand gemeinsam mit den Aktiven, sich ebenfalls musikalisch umzustellen. Der Weg zu einem modernen Fanfarenzug, so wie ihn viele andere benachbarte Gruppen gingen, erschien aber als eine musikalische Sackgasse. Dies hat sich bei den meisten früheren Fanfarencorps später leider bestätigt. Man entschied sich damals statt dessen für den langfristig besseren Weg zu einem sinfonischen Blasorchester mit seinen vielfältigen musikalischen Möglichkeiten.
Zunächst leitete Josef Behrend weiter die Proben. Dann wurde Franz Außem zum Leiter bestellt. Die meisten Mitglieder des Fanfarencorps machten die Umstellung mit und lernten bei Musiklehrern ein Instrument ihrer Wahl spielen. Während dieser Umstellungsphase liefen die Auftritte weiter. Nach und nach verstärkten immer mehr Blasinstrumente das Fanfarencorps. Bereits in der Karnevals-Session 1973/1974 trat der neue Klangkörper dann erstmals vor Publikum auf.
Das erste richtige öffentliche Konzert war dann beim Musikfest in Fischenich 1974. Das neue Blasorchester unter Franz Außem wurde begeistert gefeiert. Mit einem kleinen, dem noch sehr beschränkten Können angepaßten Repertoire fing es damals bescheiden an. So wie die praktischen und theoretischen Fertigkeiten wuchsen, klappte auch das Zusammenspiel im Orchester unter der fachkundigen, strengen und geduldigen Leitung von Franz Außem immer besser.
Highlights
1993 erhielt das Blasorchester den Kulturpreis der Stadt Hürth. Im September des gleichen Jahres machten die Fischenicher eine zwölftägige Konzertreise an die Ostküste der USA. Das Blasorchester nahm dort u.a. an den Steubenparaden in New York und Philadelphia teil. Außerdem produzierte es eine CD/MC mit dem Titel „Kölsche Tön – met Trööte un Trommele“ und trat in der WDR-Fernsehsendung „Närrische Hitparade“ auf.
Zahlreiche mehrtägige Konzertreisen führten u.a. nach Thetford in England, Spijkenisse in Holland und kurz nach der Wende nach Wernesgrün im sächsischen Vogtland. Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war im Januar 2000 die musikalische Begleitung des Kölner Dreigestirns beim Einzug in die Hofburg, dem Hotel Dorint.
Repertoire
Das Blasorchester ist mit rund 90 Konzerten und Auftritten ganzjährig sehr viel beschäftigt. Hinzu kommen noch über 50 Proben jährlich. Es hat ein vielseitiges und sehr umfangreiches Repertoire. Das Blasorchester spielt moderne Bigbandmelodien ebenso gerne wie traditionelle, konzertante und sinfonische Blasmusik, aber auch Evergreens, Tanz- und Unterhaltungsmusik, volkstümliche Weisen aus aller Welt, Märsche, Choräle, Kirchenlieder und selbstverständlich zahlreiche traditionelle und moderne Kölner Karnevalsmelodien. Der Nachwuchs für das Blasorchester wird seit Jahren in der von Franz Außem geleiteten vereinseigenen Musikschule ausgebildet.
Senat
Die 32 Senatoren bilden den harten Kern der Helfer beim großen Musikfest in Fischenich. Darüber hinaus sind die Senatoren bei vielen Veranstaltungen unentbehrlich, wenn erfahrene Handwerker und fleißige Hände gebraucht werden, und begleiten die anderen Gruppen bei ihren Auftritten. Bei vielen Familienabenden glänzten die Senatoren mit Tänzen und originellen Darbietungen aller Art.
Veranstaltungen
Seit 1957 veranstaltet die KG stets am Samstag vor dem Elften im Elften Prunksitzungen im großen Saal des Hauses Hülsenbusch, dem traditionsreichen Vereinslokal der Blau-Weißen. Diese stolze Serie wurde auch 1978 durch einen Großbrand nicht unterbrochen. Die Fischenicher bauten „ihren“ Saal mit vereinten Kräften wieder auf. Inzwischen haben die neuen Eigentümer, die Familie Pütz, das Haus Hülsenbusch, die gesellschaftliche und kulturelle Heimat des Hürther Stadtteiles Fischenich (4.500 Einwohner), liebevoll und vorbildlich restauriert.
Mit einem prächtigen Prunkwagen, originellen Fußgruppen und allen aktiven Gruppen beteiligt sich die KG selbstverständlich alljährlich am Fischenicher Karnevalszug.
Weitere Veranstaltungen der KG sind die Kindersitzung, das Maibaumsetzen mit Platzkonzert und Tanz, das große Musikfest und der Familienabend mit vielen schönen, originellen selbstgestalteten Einlagen vom Sketch, Tanz bis zur Playback-Show.
Besonderen Anklang finden auch die Konzerte des Blasorchesters, so auch die beliebten Weihnachtskonzerte. Die aktiven Gruppen des Vereins verschönern mit Musik und Tanz viele Feste in der gesamten Region und treten bei zahlreichen Gelegenheiten im Jahreslauf mit ihren blau-weißen Uniformen auf.
Auf eine gute Zusammenarbeit mit der Dorfgemeinschaft, den Ortsvereinen, der Stadt, der Schule und der Kirche wird großer Wert gelegt. Den Rahmen eines typisch rheinischen Karnevalsvereins hat die KG Blau-Weiß Fischenich mit ihren ganzjährigen und vielfältigen Aktivitäten dabei schon lange gesprengt.
